Die finnische Natur zieht jährlich Tausende Camper, Wanderer und Ferienhaus-Urlauber in ihren Bann. Endlose Wälder, glasklare Seen und unberührte Schärenküsten laden zu Abenteuern im Freien ein. Doch im dichten Unterholz und in hohen Gräsern lauert ein winziger Spinnentier-Vertreter, der den Traumurlaub schnell trüben kann die Zecke (Ixodes ricinus sowie zunehmend die Taigazecke Ixodes persulcatus).
Wer die unberührte Wildnis des Nordens sicher genießen möchte, sollte das lokale Risiko für Borreliose und FSME kennen und wissen, wie man sich effektiv schützt. Dieser Ratgeber liefert Ihnen alle wissenschaftlich fundierten Fakten und praktischen Tipps für einen unbeschwerten Finnland-Urlaub.
Die Zecken-Situation in Finnland Ein Überblick
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zeckenpopulation in Finnland aufgrund milder werdender Winter und feuchter Sommer spürbar nach Norden ausgebreitet. Während die Parasiten früher fast ausschließlich im äußersten Süden des Landes zu finden waren, meldet das finnische Institut für Gesundheit und Wohlbefinden (THL) mittlerweile Funde bis weit nach Lappland hinein.
Risikogebiete im Vergleich
Das Risiko, im Urlaub auf Zecken zu treffen, ist regional sehr unterschiedlich verteilt
Region Zeckenvorkommen Borreliose-Risiko Besonderheiten --- --- --- --- Åland-Inseln Extrem hoch Sehr hoch Spitzenreiter in Europa; auch hohes FSME-Risiko Süd- & Südwestküste (Turku, Helsinki) Hoch Hoch Feuchte Schärengärten und dichte Vegetation Seenplatte (Saimaa, Tampere) Moderat bis hoch Moderat Hohes Aufkommen an Seeufern und in Mischwäldern Zentralfinnland & Kainuu Moderat Gering bis moderat Lokale Hotspots, Taigazecke breitet sich hier aus Lappland Sehr gering Extrem gering Nur vereinzelte Funde in Flussbältern im Süden Lapplands
Borreliose vs. FSME Wo liegt der Unterschied
Viele Reisende verwechseln die beiden bekanntesten von Zecken übertragenen Krankheiten. Für Ihre Reisevorbereitung ist die Unterscheidung jedoch essenziell
Die Lyme-Borreliose im Fokus
Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst. In finnischen Risikogebieten tragen schätzungsweise 20 % bis 30 % der erwachsenen Zecken diesen Erreger in sich.
Der Übertragungsweg Die Bakterien befinden sich im Darm der Zecke. Nach dem Stich dauert es meist 12 bis 24 Stunden, bis die Erreger in die Wunde gelangen. Schnelles Handeln rettet Sie hier oft vor einer Infektion! Das Hauptsymptom Die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Sie zeigt sich als kreisförmige, sich schmerzlos ausbreitende Rötung um die Einstichstelle (oft erst nach Tagen oder Wochen).
Buche jetzt und zahle später bei Booking.com!Typische Fehler beim Umgang mit Zecken
Immer noch kursieren veraltete Mythen über die Entfernung von Zecken. Vermeiden Sie diese Fehler unbedingt, um Ihr Infektionsrisiko nicht unnötig zu steigern
Fehler 1 Hausmittel wie Klebstoff, Öl oder Nagellack verwenden. Warum das gefährlich ist Die Zecke gerät in Todesangst und entleert ihren infektiösen Speichel und Darminhalt direkt in die Wunde.
Fehler 2 Die Zecke beim Herausziehen drehen oder quetschen. Warum das gefährlich ist Durch das Quetschen des Körpers werden Erreger regelrecht in die Haut gepresst.
Fehler 3 Den Stich ignorieren, weil nichts wehgetan hat. Warum das gefährlich ist Zeckenspeichel enthält ein Betäubungsmittel. Man spürt den Stich nicht. Ohne regelmäßige Kontrolle bleibt er oft unbemerkt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung Zecke richtig entfernen
Sollte Sie im Urlaub doch einmal eine Zecke erwischt haben, bewahren Sie Ruhe und gehen Sie strukturiert vor
- Werkzeug wählen Nutzen Sie eine feine Pinzette, eine Zeckenkarte oder eine Zeckenzange.
- Nah an der Haut ansetzen Greifen Sie die Zecke so nah wie möglich an der Hautoberfläche an ihren Werkzeugen (Kopfbereich), niemals am vollgesaugten Bauch.
- Kontrolliert ziehen Ziehen Sie das Tier langsam, gleichmäßig und gerade nach oben heraus. Ruckeln Sie bei Bedarf minimal, aber vermeiden Sie Drehbewegungen.
- Desinfizieren Reinigen Sie die Wunde gründlich mit hochprozentigem Alkohol oder einem Wunddesinfektionsspray.
- Beobachten & Dokumentieren Fotografieren Sie die Einstichstelle und markieren Sie das Datum im Kalender. Beobachten Sie die Stelle für die nächsten 4 Wochen.
Prävention Wie Sie sich im Finnland-Urlaub schützen
Der beste Schutz vor Borreliose ist, gar nicht erst gestochen zu werden. Mit diesen einfachen Maßnahmen minimieren Sie das Risiko beim Wandern oder Beerenpflücken
Die richtige Kleidung Tragen Sie lange Hosen, langärmelige Hemden und feste Schuhe. Ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine. Auf heller Kleidung lassen sich die winzigen Parasiten zudem viel leichter entdecken. Effektive Repellentien Nutzen Sie Insektenschutzmittel mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin. Achten Sie darauf, auch die Kleidung (besonders Hosenbeine) einzusprühen. Wege einhalten Vermeiden Sie es, durch hohes Gras, Farne oder dichtes Unterholz zu streifen. Bleiben Sie auf ausgetretenen Wanderpfaden. Der tägliche Body-Check Suchen Sie Ihren gesamten Körper (und den Ihrer Kinder) jeden Abend gründlich ab. Bevorzugte Stellen der Zecken sind warme, dünne Hautpartien wie Kniekehlen, Leistengegend, Achselhöhlen und der Bereich hinter den Ohren.
Fazit
Ein Urlaub in der finnischen Natur ist ein unvergessliches Erlebnis. Das Risiko einer Borreliose-Infektion sollte Sie nicht abschrecken, sondern sensibilisieren.
Ihre wichtigsten To-Dos für den Urlaub
- Packen Sie eine hochwertige Zeckenkarte oder feine Pinzette in Ihre Reiseapotheke.
- Tragen Sie bei Ausflügen in Schärengärten oder Wälder lange, helle Kleidung und nutzen Sie DEET-haltige Sprays.
- Machen Sie das Absuchen des Körpers jeden Abend zum festen Ritual – besonders bei Kindern.
Mit diesen einfachen Verhaltensregeln minimieren Sie das Risiko einer Infektion nahezu vollständig und können die finnische Wildnis unbeschwert genießen.